E-Insights

01.11.2019

Serie: Was wäre wenn... – ...Deutschland wieder auf Pferde umstellen würde?

Es hat ja schließlich schon mal funktioniert: Was, wenn wir wieder auf Pferde und Kutschen umstellen müssten? Aber die Welt hat sich seither verändert. Ein Gedankenexperiment mit dem Ziel, moderne Anforderungen an Infrastruktur und Stadtplanung aufzuzeigen.

Vor etwas über 100 Jahren begann die Bevölkerung und vor allem die Städte so richtig stark zu wachsen. Dieses Phänomen nennt man heute die grosse Beschleunigung.

Nicht zu unrecht befürchteten die damaligen Stadtplaner, dass ihre Städte durch das starke Wachstum in Pferdemist versinken würden – schließlich brauchte ja jeder ein Pferd.

Wie wir wissen, kam es anders. Anstatt Pferdegestank dürfen Stadtbewohner heute im Stau stehen und Abgase einatmen. In den besser geplanten Städten gibt es ein flächendeckendes Tram- oder U-bahn-Netz.

Aber was, wenn es wieder anders käme?

Pferdestärke (PS)
Ich glaub’, mich tritt ein Pferd.

Pferdewiehern statt Autolärm

Angenommen, es gäbe eine Kombination aus zwei höchst unwahrscheinlichen Ereignissen: Monatelange solare Superstürme bringen das Magnetfeld der Erde zum Schwanken und legen so die Stromnetze lahm. Gleichzeitig geht uns auch noch das Öl aus. Keine Züge, keine Flugzeuge, keine Autos – alles, was uns noch bleibt, ist das Pferd.

Zunächst klingt die Rückkehr zum Pferd romantisch. Tankstellen werden durch Raststätten und der Lärm von Flugzeugen und Autos wird durch dezentes Hufgetrabe oder ein sporadisches Wiehern ersetzt. Wir reiten heroisch zu Pferd oder fahren aristokratisch in der Kutsche.

Die Pferdeindustrie, die sich seit rund 100 Jahren nur noch auf Sport und Liebhaberei ausgerichtet hatte, würde wieder an Bedeutung gewinnen – von Zucht über Versorgung bis zur Haltung.

Warum Pferde definitiv der Vergangenheit angehören

Seit wir das letzte Mal Pferde als Transportmittel benutzt haben, vor der Fließbandproduktion der Autos 1913, hat sich die Welt verändert. Zunächst waren wir rund 20 Millionen (=25%) weniger Menschen in Deutschland. Vor allem die Städte waren kleiner und weniger dicht bewohnt.

Ein einzelnes Pferd braucht bei tiergerechter Haltung aber mehr Platz als selbst das kleinste Auto, welches von der PS-Leistung her schnell mal 50 bis 1000 Pferde ersetzt.

Auch würden uns Pferde als massentaugliches Transportmittel vor genau jene Probleme stellen, vor denen sich die Stadtplaner vor 100 Jahren gefürchtet haben: Wohin mit dem Pferdemist? Dieser könnte zwar als Dünger verwendet werden, müsste aber rund um die Uhr entfernt werden. Ansonst drohen besonders im Sommer nicht nur beißender Gestank, sondern auch schlechte hygienische Zustände und grassierende Krankheiten.

Dezentrale Energiesysteme

Im Falle eines gelähmten Stromnetzes und einer Ölpleite kämen also kaum die Pferde zurück. Stattdessen würden wir eher auf die in den letzten Jahren stark entwickelten erneuerbaren Energien setzen, um autark Strom zu erzeugen. Zum Beispiel mit Solarpanels auf dem Dach.

Auch würden in dem ausgemalten postapokalyptischen Szenario Personenautos eher durch Velos als durch Pferde ersetzt werden. Denn Velos sind schneller als Pferde und können längere Distanzen zurücklegen. Und ein Velo muss nicht gefüttert werden.

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