E-Insights

09.09.2019

Elektromobilität in Deutschland – ein Blick in die nahe Zukunft

Elektroautos sausen geräuschlos und oft sogar völlig autonom und unfallfrei durch Deutschland. Dank optimierter Batterien, perfekter 5G-Vernetzung und smarten Daten steuern die Fahrzeuge erst nach vielen hundert Kilometern die flächendeckend platzierten Ladesäulen an. So oder so ähnlich lockt die Vision der Elektromobilität an einem fernen Zeitpunkt irgendwann im Übermorgen. Was aber wird wohl bis dahin in den entscheidenden nächsten Jahren geschehen?
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Die neue Mobilität bietet ungeahnte Chancen.

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen." Ironischerweise lässt sich dieses vielzitierte Bonmot keinem Urheber aus der Vergangenheit so eindeutig zuordnen. Sei’s drum: Entlang bestehender Trends in Politik, Wirtschaft und bei der Nachfrage der Kunden lohnt es sich, gemeinsam einen genaueren Blick in die nahe Zukunft der Elektromobilität zu werfen. Sämtliche vorangegangenen Versäumnisse und Fehler bleiben an dieser Stelle ausnahmsweise unerwähnt – so eine Top 10 heben wir uns gerne für einen anderen Artikel auf.


Aber erstmal, was heißt eigentlich Elektromobilität? Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur weiß es:

"Elektromobilität (auch E-Mobilität) steht für Fortbewegung mithilfe von Elektromotoren. Autos, Busse, Nutzfahrzeuge, Züge, Fahr- und Motorräder, Schiffe und kleinere Flugzeuge – sie alle können mit elektrischer Energie angetrieben werden. Ein elektrisch betriebenes Fahrzeug im Sinne des Elektromobilitätsgesetzes ist ein reines Batterieelektrofahrzeug, ein von außen aufladbares Hybridelektrofahrzeug oder ein Brennstoffzellenfahrzeug."


Und es geht noch weiter...

"E-Mobilität ist eine Schlüsseltechnologie für die Gestaltung eines sauberen und effizienten Verkehrssystems. Sogenannte fossile Energieträger wie Erdöl oder Erdgas führen in unserem Straßenverkehr seit Jahren zu hohen CO2-Emissionen und zu einer zunehmenden Belastung des Klimas. Der Strom, den Elektrofahrzeuge benötigen, wird entweder von leistungsfähigen Batterien oder von einer Brennstoffzelle bereitgestellt. In der Brennstoffzelle wird die chemische Energie von Wasserstoff direkt in Strom umgewandelt. Elektrofahrzeuge laden an Ladestationen oder tanken gasförmigen Wasserstoff an Tankstellen, sind leise und stoßen lokal keine klima- und gesundheitsschädlichen Emissionen aus. Mit Strom aus regenerativen Quellen angetriebene Elektrofahrzeuge sind daher eine sehr gute Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren."
"E-Mobilität ist eine Schlüsseltechnologie für die Gestaltung eines sauberen und effizienten Verkehrssystems. Sogenannte fossile Energieträger wie Erdöl oder Erdgas führen in unserem Straßenverkehr seit Jahren zu hohen CO2-Emissionen und zu einer zunehmenden Belastung des Klimas. Der Strom, den Elektrofahrzeuge benötigen, wird entweder von leistungsfähigen Batterien oder von einer Brennstoffzelle bereitgestellt. In der Brennstoffzelle wird die chemische Energie von Wasserstoff direkt in Strom umgewandelt. Elektrofahrzeuge laden an Ladestationen oder tanken gasförmigen Wasserstoff an Tankstellen, sind leise und stoßen lokal keine klima- und gesundheitsschädlichen Emissionen aus. Mit Strom aus regenerativen Quellen angetriebene Elektrofahrzeuge sind daher eine sehr gute Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren."

Anhand dieser umfangreichen Definition wird deutlich, dass es sich bei der Elektromobilität um eine vielversprechende Spielwiese (im besten Sinne) handelt für mannigfaltige technologische, ökologische, digitale und infrastrukturelle Innovationen mit immensem Wertschöpfungspotenzial und hochspezialisierten Arbeitsplätzen. Diese Realisation ist längst nicht nur bei erfolgshungrigen Start-ups angekommen. Auch die etablierten Hersteller stecken viele Milliarden an Investitionen in Technologie und Forschung – und vor allem in Produktionskapazitäten. Und das macht sich in Zahlen bemerkbar.

Der Trend für die Zukunft weist in eine Richtung: Wachstum

Mit geschätzten 16’844 Neuzulassungen von reinen Elektroautos im dritten Quartal 2019 ist der Zuwachs um 129 Prozent (!) erheblich im Vergleich zum letzten Jahr (Q3 2018: 7’340). Aber ist das nur ein Trofpen auf den heißen Stein bei insgesamt neu zugelassenen 244.622 Pkw allein im September? Der noch verhältnismäßig geringe Marktanteil der E-Autos täuscht. Denn während der Absatz für Benziner und Diesel schwächelt, signalisieren 129 Prozent Wachstum – selbst auf niedrigem Niveau – den Weg in die nächsten Jahre und Jahrzehnte. „Für Deutschland und die EU ist ab 2020 mit einem exponentiellen Anstieg des E-Autoabsatzes zu rechnen“, analysiert Center of Automotive Management-Direktor Prof. Stefan Bratzel.


Wer sind die aktuellen Gewinner – und wer die von morgen?

Das populärste Elektroauto auf deutschen Straßen ist schon seit ein paar Jahren ein Franzose. Mit 6360 Neuzulassungen konnte sich erneut der Renault Zoe die Topplatzierung der Liste 2018 sichern. Bei einem Preis ab 26’000 Euro und einer WLTP-Reichweite von 316 km ist das Fahrzeug besonders für preisbewusste Käufer interessant, da sich der Zoe für die Kaufprämie in Höhe von 5000 Euro für E-Autos qualifiziert hat, die anteilig vom Bund und den Herstellern gewährt wird. Premium-Fahrzeuge (etwa: Tesla Model S), deren Nettokaufpreis 60’000 Euro übersteigt, sind von dieser Förderung ausgenommen. Das Prämienprogramm, auch "Umweltbonus" genannt, wurde erst kürzlich bis Dezember 2020 verlängert. Dadurch will die Politik aktiv die Käufer ermutigen, sich für Elektroautos zu entscheiden. Noch wird dieser Anreiz etwas zögerlich angenommen (120’071 von 300’000 möglichen Anträgen in 3 Jahren), wird aber möglicherweise in Kombination mit der neuen Generation an Fahrzeugen besonders den deutschen Herstellern am Markt nutzen. Denn BMW, VW und Mercedes wollen sich nicht mit dem Status Quo zufriedengeben. Sie verfolgen eine klare Strategie, um die Konkurrenz in den nächsten Jahren zu überflügeln:

  • mehr Modelle
  • optimierte Reichweite
  • niedrigere Preise
  • bessere Ladeinfrastruktur
  • schnellere Ladezeiten

Ein Beispiel: VW sieht sich mit dem vollelektrischen ID.3 am Beginn einer neuen Ära. Bei seiner Vorstellung auf der IAA 2019 soll das Fahrzeug laut Pressemitteilung den Weg in eine nachhaltige Mobilität ebnen.

  • Drei Batteriegrößen für 330 bis 550 km Reichweite
  • Produktionsstart: November 2019, Auslieferung: Frühjahr 2020
  • Basispreis: unter 30’000 Euro
  • VW verspricht "bilanziell" CO2-neutrale Herstellung


Kann der ID.3 die Elektromobilität als Massenphänomen etablieren, wie es der Konzern mit Käfer und Golf für Benziner geschafft hat? VW will den Nachfolger des e-Golfs in hoher Stückzahl produzieren – die ersten 30’000 Kann der ID.3 die Elektromobilität als Massenphänomen etablieren, wie es der Konzern mit Käfer und Golf für Benziner geschafft hat? VW will den Nachfolger des e-Golfs in hoher Stückzahl produzieren – die ersten 30’000 Bestellungen sind bereits eingegangen. Das nächste Jahr und die folgenden könnten in Deutschland über den Erfolg der Elektromobilität entscheiden. Wünschenswert wäre es.

Ob sich einige dieser Prognosen bewahrheiten, kann erst in der Rückschau beurteilt werden. In jedem Fall deuten die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema und die Chancen der Elektromobilität ausgehend von Wirtschaft, Politik und den Käufern, auf eine optimistische Zukunft hin.

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